Diskriminierung subjektivierter Nebenobjekte

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Uncategorized

Wir schreiben das Jahr 1300 v. Chr. In der antiken Unterwelt kommt es durch den Klimawandel zu massiven Umstellungen im Tagesablauf. Denn nun dominiert an dem zuvor höchst düstern Ort strahlender Sonnenschein. So entstanden neue landschaftliche Biotope. Sandstrände und tropische Regenwälder zieren flächendeckend den ehemaligen Ort der Dunkelheit. Die klimatischen und geographischen Umstellungen sind ganz zum Unbehagen von MC Hades, der nicht nur Rapper ist sondern auch Master of charge der Unterwelt. Nichts desto trotz finden jeden Tag Sonnenstrahlen ihren Weg über die düsteren Bergketten und erhellen die wunderschönen Sandstrände.
Dem zum Steinrollen in die Unterwelt verbannten Sisyphos brät die Sonne direkt ins Gesicht. Ruckartig springt er auf und flüchtet hinter den Schatten eines großen, runden Steines. Der Grund in der Unterwelt ist seit geraumer Zeit die Sonnencreme mit Sonnenschutzfaktor 50 ausgegangen und Sisyphos ist ein heller Hauttyp. Damit zeigt Sisyphos seit dem Sonnencremeengpass MC Hades den Mittelfinger und verweigert seine Gesteinsumdispositionssanktion. MC Hades ist machtlos, denn er hat eine Sonnenallergie, sodass er sich in den Keller der Unterwelt flüchten musste. Sisyphos wiederum macht sich diesen Umstand zu Nutze und funktionierte sein ehemaliges Folterinstrument um. Long story short, der Iststand beträgt sich wie folgt: Sisyphos liegt im Schatten hinter einem Stein und isst genüßlich tropische Früchte.
Nun debattiert jeder Hans Kunz unserer Zeit, dass das doch gar keine Strafe für Sisyphos sei. Da verwundere es nicht, dass unser Begriff von Gerechtigkeit zugrunde geht, wenn ein solcher Präzedenzfall derart ausartet.
Aber die eigentliche Crux an der Sache ist, keiner fragt wie es dem Stein bei der Sache geht. Denkt der sich vielleicht „nä voll kein Bock schon wieder von der Sonne beballert zu werden, während der Olle sich fein im Schatten den Ranzen vollschlägt.“. Vielleicht bekommt er sogar Neurodermitis oder irgend ein fieses Geschwür durch die tägliche Sonnenbestrahlung. Ich meine dafür ist ein Stein ja von Mutter Natur auch nicht ausgelegt. Vielleicht vermisst der Stein auch Sisyphos Zuwendung, da er nicht mehr von ihm gerollt wird. Und mangelnde Zuwendung führt bekanntermaßen zu ADHS oder Depressionen. Ich gebe zu hier hinkt die Logik ein wenig, denn ein hyperaktiver Stein scheint eher schwer vorstellbar, aber eine Depression hingegen wäre umso mehr in Stein gemeißelt. Es bedarf keiner weiteren Ausführung, damit klar wird wo das alles endet.
Solche widerwärtigen Verhaltensweisen gegenüber subjektivierten Nebenobjekten ziehen sich durch die Literatur.
Wenn Ronald Wesley seinen Zauberstab zerbricht wird groß thematisiert wie schlimm das für ihn ist, gerade wegen seines finanziellen Hintergrunds bla bla bla. Aber keine Sau fragt wie es dem Zauberstab geht, stell dir vor ein Mensch bricht in der Mitte auseinander dann wär das Geschrei groß. Dann möchte ich sehen wie der Betroffene reagiert wenn ihn jemand mit Tesa zusammen kleben möchte.
Oder Thors Hammer, den hat auch niemand gefragt ob er es gut findet dass er die ganze Zeit auf irgendwas drauf gehauen wird. Thor ist zudem von beachtlicher Physiognomie angenehm ist das sicher nicht wenn der jemanden auf etwas drauf Haut. Außerdem macht der Hammer beim Prozess des Draufhauens viel kaputt, keiner fragt ob der Hammer das überhaupt möchte. Der fühlt sich sicherlich ebenfalls ungeliebt, wo wir wieder bei Depressionen oder ADHS wären. Hier scheint jedoch Hyperaktivität eher realistisch. Ein Hammer der sich von der Brücke stürzt oder vor den Zug schmeißt erzielt voraussichtlich nicht den Effekt des Freitods sondern die Zerstörung des involvierten Kleinods.
Selbst in der existenzialistischen Literatur bringt Camus in seinem Drama Caligula nie zur Sprache wie der Mond es findet dass ihn Caligula besitzen möchte. Als ich kann nur von mir sprechen, aber mir würde es zutiefst Missfallen von einer Person besessen zu werden. Erst recht nicht von einem egozentrischen Psycho, der Himmelskörper vom Firmament klauben möchte.
Eben jener Camus aus dessen Feder eine solche diskriminierende Utopie entsprang sagte über Sisyphos er sei ein glücklicher Mensch. Glücklicher Mensch am Arsch! Auf wessen Kosten denn. Auf Kosten des Steins. Ungerechtigkeit beginnt da wo ein Stein zum Fußabtreter wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.